Freitag, 24. Januar 2014

Die Auswerterin oder: Das Ende von Auschwitz - Ein Bildbericht von den Theaterproben

Normalerweise wird ein neues Theaterstück auf einer Probebühne einstudiert. Die Künstler von teAtrum VII entschieden sich jedoch, einen Teil der Proben zu dem Stück Die Auswerterin an die Nordsee zu verlegen. Hier einige Eindrücke:


"Unsere Geheimdienste wissen alles. Wir haben die besten der Welt." Emily Brown (Janine Karthaus), Arthur Harris (Eric Lenke)



"Sie sind schön, klug und kaltblütig. Sie wären die ideale Frau an meiner Seite." Harris (Eric Lenke), Emily (Janine Karthaus)



"Wer möchten Sie lieber sein? Der Jäger oder die Beute?" Arthur Harris (Eric Lenke), Emily Brown (Carolin Sophie Göbel)


 
 "Es ist mir ernst, Miss Brown. Auch ich bin bereit, etwas zu riskieren." Harris (Eric Lenke), Emily (Janine Karthaus)



 "Sie werden einen hohen Preis für Ihre Tat bezahlen, aber Sie werden nichts erreichen." Harris (Eric Lenke), Emily (Carolin Sophie Göbel)


Sonntag, 19. Januar 2014

Rezension: Die Auswerterin oder: Das Ende von Auschwitz von Elk von Lyck

"Sie gehören zu den Beherrschten. Sie haben das zu tun, was ich sage." (Im Bild: Eric Lenke und Carolin Sophie Göbel)

Am 28. Januar findet die Premiere von "Die Auswerterin oder: Das Ende von Auschwitz" statt. Ort: Gallus Theater Frankfurt.
Aus diesem Anlass hier die Rezension des Romans von inkultura-online:


Die wirklich bewegenden Bücher, die provozierenden und verstörenden, die, wie es die Aufgabe guter Literatur sein sollte, den Verstand herausfordernden und die Emotionen weckenden Texte stehen zu Unrecht abseits des medial goutierten Mainstreams. Was seinen Weg nicht in die Spalten des Feuilletons schafft, das findet naturgemäß auch keine Aufmerksamkeit beim Lesepublikum und kann dementsprechend leider keine Breitenwirkung erzielen. In Zeiten des praktizierten Konsumismus, die Ersatzreligion der breiten Masse, bilden die Kulturbeilagen der meinungsmachenden Printmedien keine Ausnahme und sind aufgrund dessen nur ein Spiegelbild der mentalen Befindlichkeiten dieses Landes und somit sind sie nur kommerziell orientierte und selbstreferentielle Zuarbeiter einer literarischen Industrie, die vornehmlich mit der Produktion von ephemeren Belanglosigkeiten beschäftigt ist.

Elk von Lyck ist ein Autor, der sich mit seinen Büchern außerhalb der vorherrschenden Richtung bewegt. Sein neuer Roman Die Auswerterin stellt sich überdies noch gegen die Deutungshoheit der aktuell herrschenden politischen Elite - die sich natürlich auch in Besitz des literarisch akzeptierten Kanons der historischen Bewertung der nationalsozialistischen Verbrechen wähnt - und deren Wacht über die vermeintlich korrekte Interpretation historischer Fakten.

Die Auswerterin provoziert geradezu Widerspruch und erzwingt damit eine Diskussion über gewohnte Denkstrukturen, die einzig der perpetuierten offiziellen Historiographie geschuldet sind. Das provokante Unterfangen des Autors ist die Frage danach, aus welchen Gründen die Alliierten trotz ihres Wissens um das Vernichtungslager Auschwitz, dessen Infrastruktur nicht bombardiert und so die dortigen Verbrechen, wenn auch nicht verhindert, so doch zumindest langfristig behindert haben.

Emily Brown ist im Jahr 1944 eine Auswerterin von Luftbildaufnahmen, die alliierte Flugzeuge über dem Luftraum Deutschlands machten. Aufgrund der ausgewerteten Fotos legte das alliierte Bomberkommando unter Führung des Air Chief Marshal der Royal Air Force, Arthur Travers Harris, die Ziele der Luftangriffe in Deutschland fest. Eines Tages entdeckt Emily auf einem Foto das Konzentrationslager Auschwitz und informiert darüber ihre Vorgesetzten. Sie stößt jedoch auf taube Ohren und schieres Unverständnis, das sie in der Folge zu einer wahnwitzigen Tat veranlasst. Sie betritt das Büro von Arthur Harris, nimmt ihn als Geisel und verlangt die sofortige Bombardierung dieses Lagers.

Was zu Beginn wie ein historische "Was wäre, wenn... ?" Fiktion erscheint, erhält schnell eine brisante Komponente. Die Alliierten befanden sich im Besitz von Kenntnissen über Auschwitz. Aus welchen Gründen haben sie dieses Lager nicht bombardiert? Dass die politischen Führungen der USA und Großbritanniens von der Existenz und dem Zweck des Konzentrationslagers wussten, ist von vielen Historikern inzwischen bestätigt. Warum Churchill und Roosevelt die umliegenden Fabriken angreifen ließen, nicht aber Auschwitz, ist bis heute eine unbefriedigend beantwortete Frage geblieben.

Im Verlauf der Geiselnahme entwickelt sich eine Diskussion zwischen Emily Brown und Arthur Harris, die zwei sich unversöhnlich gegenüberstehende Meinungen repräsentiert. Emily, eine unscheinbare und politisch eher uninteressierte Frau, bezieht auf einmal Stellung und fordert einen scheinbar mächtigen und einflussreichen Kommandierenden heraus. Wer mit den bisherigen Werken dieses Autors vertraut ist, der weiß um dessen Intentionen bezüglich der fatalen Auswirkungen - auch historisch betrachtet - verletzter Emotionen. So weist Emily darauf hin, dass auch die Briten aufgrund ihrer militärischen Aufrüstung gegen den Vertrag von Versailles verstoßen haben, dies den Deutschen jedoch zum Vorwurf gemacht haben. Sie lässt eine Reihe von historischen Ereignissen Revue passieren, mit denen sie darauf hinweist, dass jeder Krieg und jede militärische Auseinandersetzung bereits den Keim für die folgenden Konflikte beinhaltet. So wurde nach dem Ende des Ersten Weltkriegs mit dem Versailler Vertrag die wenige Jahre später stattfindenden Konflikte heraufbeschworen.

Von Lyck liefert in seinem Dialogroman Die Auswerterin eine provokante Antwort von Arthur Harris auf die Frage, aus welchen Gründen das Lager Auschwitz nicht angegriffen worden ist. Man musste, so der Air Chief, an die "politische Komponente" denken. Die Nazis sind von Nutzen, wenn es um die Eliminierung von Kommunisten geht, denn nach dem Krieg ist vor dem Krieg und der nächste wird gegen Stalins Weltrevolution geführt werden. Harris formuliert es im Roman folgendermaßen: "Man kann über die Nazis nicht viel Positives sagen, aber in diesem Fall sind sie sehr hilfreich."

Der Roman bewegt sich im Spannungsfeld von individueller Möglichkeit und politischer Realität. Was kann der Einzelne gegen ein System ausrichten? Wo und, noch viel wichtiger, wann muss er sich positionieren und gegen Gewalt und Willkür erheben? Emily Brown ist ein Rädchen in der Maschinerie des politisch-gesellschaftlichen Getriebes und wird von den Mächtigen - Arthur Harris - als zu unwichtig empfunden, um etwas bewirken zu können. Diese Unterschätzung kommt Harris und der Politik teuer zu stehen

Zieht man Parallelen zur aktuellen global-politischen Situation, dann muss man konstatieren, dass dem Individuum gegenüber den herrschenden Kräften des politisch-wirtschaftlichen Oligopols anscheinend auch nur die Rolle eines ohnmächtigen Beobachters zugestanden wird. Eine Allianz aus Finanzkapital und willfährigen Politikern ist dabei, den Planeten unter sich aufzuteilen. Hätte Emily Brown, haben auch wir gegen diese geballte Macht eine Chance?

Entnommen aus: inkultura-online


Die Auswerterin oder: Das Ende von Auschwitz

Roman 160 Seiten
2. Auflage. Mit Quellenverzeichnis.
Gedrucktes Buch EUR 9,90  E-Book EUR 4,99

Erhältlich u.a. bei Amazon



Hier finden Sie den Blog des Autors.


Freitag, 17. Januar 2014

Rezension: Wie klingt, was du glaubst? von Jane Dunker


Wer singt, der betet doppelt, sagt ein Priester in diesem Buch. Religion und Musik sind seit jeher eng miteinander verbunden. Das Christentum kennt den Psalm als gesungenes Gebet. Der Adhan, der muslimische Gebetsruf, besteht aus unterschiedlichen Tonhöhen und –längen. In der tibetischen Tempelmusik steht jedes Instrument für ein Mantra, sie sind Klangkörper einer spirituellen Kraft. In jeder Religion und Kultur haben Töne und Silben unterschiedliche Bedeutungen – und jeder Mensch nimmt sie unterschiedlich wahr.

Hierbei handelt es sich keineswegs um reine „Hirngespinste“. Die Wissenschaft kennt längst schon den Begriff der Synästhesie, der Kopplung von Sinnesreizen. Für manche Menschen sind bestimmte Töne mit Farben verbunden, andere wiederum verbinden sie mit Temperaturen. Das warme Rot und das kalte Blau sind zwei Beispiele, die jeder nachvollziehen kann. Möglicherweise ist das Phänomen Synästhesie viel größer, als wir es uns heute vorstellen können.

Jane Dunker hat sich der Aufgabe gestellt, diese individuellen Wahrnehmungen sichtbar zu machen. In ihrem Buch kommen viele unterschiedliche Menschen zu Wort: Gläubige und Atheisten, Alte und Junge, Einheimische und Zugereiste. Sie berichten von ihren Lebenserfahrungen, von ihrem Alltag und besonderen Erlebnissen und welche Klänge sie damit verbinden. Jede Person wird außerdem mit einem oder mehreren Fotos porträtiert, die mindestens so viel aussagen wie der Text. Fast beiläufig entspinnt sich dadurch ein interreligiöser und interkultureller Dialog –  gerade in unserer heutigen Zeit der Krisen und Konflikte ist das von nicht zu unterschätzender Bedeutung.  

Vielleicht haben wir alle einmal die Fähigkeit besessen, die Welt multidimensional wahrzunehmen. Später erzog man uns dazu, nur an das zu glauben, was man mit Instrumenten messen oder mit mathematischen Formeln beweisen kann. Jane Dunker bringt uns mit ihrem Buch dazu, wieder einmal über unser ursprüngliches Wesen nachzudenken.

Jane Dunker: Wie klingt, was du glaubst? Verlag Ralf Liebe
112 Seiten EUR 14,00

Sonntag, 5. Januar 2014

Vorschau: Elias Jammal liest in Mannheim


Elias Jammal ist Erziehungswissenschaftler, Entwicklungshelfer und Professor für interkulturelle Studien an der Hochschule Heilbronn - außerdem ist er Mitglied der Heidelberger Autorengruppe LitOff. Seinen Debütroman Aufwachen in der Welt wird er am Sonntag, 26.01.14 in der Mannheimer Cafe Bar RIZ vorstellen. Beginn der Veranstaltung ist 17:00 Uhr.
Ort: Cafe Bar RIZ, H7 38, 68159 Mannheim.

Zur Einstimmung hier der Klappentext des Romans:

Wie könnte das Leben eines Palästinensers verlaufen, der seine Schulkarriere im Libanon als Versager begann und am Ende Philosophieprofessor in Deutschland wurde?
Die Erzählung beginnt mit der Ankunft Nonos in Deutschland und unmittelbar danach rückblickend mit der Vertreibung seiner Eltern aus Palästina und deren Flucht in den Libanon. Teils humorvoll, teils in einer Mischung aus Ironie und Trauer werden Nonos Lebensstationen in Deutschland sein Erlernen der deutschen Sprache, das Studium, zahlreiche Menschenbegegnungen, seine Aufenthalte in verschiedenen Ländern u. v. m. beschrieben. Die Themen, um die es vor allem geht, sind das Sich-Entdecken, das Entdecken der Sprache und die Hintergründe und Perspektiven des Palästinakonflikts. Zentral ist aber auch die Entdeckung der Liebe: Kann man lieben, wenn man sich nicht ansatzweise versteht? Wohl ja, nur eben anders. Der Titel "Aufwachen in der Welt" ist also Programm.
Das Buch soll nicht nur das bewirken, worauf manche Buchautoren hoffen: Nämlich den Leser in eine Welt zu versetzen, von wo aus er sich und seine eigene Welt anders sehen bzw. verstehen kann. Es soll darüber hinaus denjenigen Hoffnung geben, die sich aufgrund widriger Herkunftsumstände im Unglück wähnen getreu dem Satze Brechts: Frage nicht, was man aus dir gemacht hat, frage lieber, was du aus dem gemacht hast, was man aus dir gemacht hat.
 

Freitag, 3. Januar 2014

Vorschau: Anne Richter liest im Brecht-Haus Berlin



Die LitOff-Autorin Anne Richter veröffentlichte vor Kurzem ihren Familienroman Fremde Zeichen. Er entstand in Zusammenarbeit mit der Romanwerkstatt des Literaturforums im Brecht-Haus und wird nun auch dort vorgestellt. Im Rahmen dieser Veranstaltung wird auch Hannah Dübgen aus ihrem Roman Strom vorlesen. Michael Wildenhain leitet das Gespräch mit beiden Autorinnen.

Zeit: Freitag, 24.01.14. Beginn der Lesung: 20:00 Uhr.
Ort: Brecht-Haus, Chaussee-Str. 125, 10115 Berlin.



 
Hier der Klappentext von Fremde Zeichen:
Wer hat ihn nicht, den Traum vom glücklichen Leben? Anfang der sechziger Jahre lernen sie sich beim Landwirtschaftspraktikum kennen: Hans, der künftige Biologiestudent, aufgewachsen in einem thüringischen Dorf, und Margret, die Professorentochter aus der Universitätsstadt. Das Glück scheint zum Greifen nah. Doch die familiäre Herkunft des jungen Paares und die Vergangenheit ihrer Familien könnten unterschiedlicher nicht sein. Die emotionale Kühle ihres Elternhauses lässt Margret nicht los, Hans holen immer wieder die Ängste seiner Dorfkindheit ein. Als die Mauer fällt, wagen sie einen Neuanfang, ebenso wie ihre Tochter, die in den Süden Frankreichs aufbricht.

Fremde Zeichen von Anne Richter. Gebundener Roman, 239 Seiten, Osburg Verlag, erschienen im August 2013. ISBN: 978-3-95510-021-6 / 19,95 €

Mittwoch, 1. Januar 2014

Rezension: Nor gebabbelt - gschafft is glei von Edith Brünnler



Nach mehreren Büchern in Hochdeutsch gibt es von Edith Brünnler nun einen Band in pfälzischer Mundart. Als erstes fällt die hochwertige Verarbeitung auf, in schön gestaltetem Hardcover und mit "Lesebändchen". Das braucht man auch, denn es ist ein Buch, das man nicht in einem Zug durchliest. Auf 86 Seiten enthält es 20 kurze Episoden aus der Pfalz. Überhaupt - die Pfalz: Man merkt der Autorin an, wie sehr sie die Pfalz liebt, mit ihren Mandel- und Feigenbäumen, dem Pfälzer Wald mit den versteckten Seen, und ihrem kulinarischen Reichtum. Aber das alles wäre nichts ohne die Menschen mit ihrem Humor und ihrer Schlitzohrigkeit. Und diese Menschen beobachtet Edith Brünnler mit viel Sympathie. Der Leser begegnet ihnen beim Spaziergang durch Ludwigshafen, besonders dem Stadtteil Hemshof, beim Rundgang über eine Kerwe, bei gemeinnütziger Arbeit und Nachbarschaftsproblemen. Aber auch in schlagfertigen Diskussionen über Globalisierung und moderne Ernährung.
Es ist ein Buch zum Vorlesen, das zu einem Winternachmittag ebenso passt wie zu einem Grillabend. Für alle, die es zum Urlaub oder zu einem Kurztrip in die Pfalz verschlägt, ist es ein schönes Souvenir, und bei allen, die in der Pfalz hängenbleiben - und dafür gibt es genügend Gründe - gehört es ohnehin in den Bücherschrank.

 
Nor gebabbelt, gschafft is glei!
90 Seiten   EUR 12,80
Autorin Edith Brünnler
Verlag Make a Book (Gebundene Ausgabe – 20. April 2012)

Text: Al Richard